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im Erinnerungsgarten
Lebensweg 4. Welken
Erinnerungsgarten: Lebensweg

4. Welken

Alles lässt sie welken, die übermächtige Zeit.
Sophokles

Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ers­ten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Ver­fahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind. Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos auf­marschieren. Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stö­ren die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Posi­ti­onen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Recht­schaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lie­ben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.
Mario de Andrade, San Paolo 1893-1945

Wenn Künstler ein Stillleben malen, wird irgendwo auf dem Gemälde eine Frucht oder eine Blüte sichtbar, die schon etwas verdorben oder verwelkt anmutet. Er transportiert hiermit seine künstlerische Botschaft.

Wenn ich zuhause meinem Blumenstrauß regelmäßig frisches Wasser schenke, hält er sich mehrere Tage frisch. Wenn die ersten Blütenblätter fallen, ertappe ich mich dabei und werde etwas unwirsch ob der zusätzlichen Mühe, die Blätter und den Blütenstaub von der Tischdecke zu beseitigen. Ein letzter Versuch folgt, die Stengel neu anzuschneiden, das Wasser erneut auszutauschen, für weitere wenige Tage der Blüte. Manchmal verwahre ich die Samen.

Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält. (...) Jede Geschichte ist eine Erfindung, (…) jedes Ich, das sich aus¬spricht, ist eine Rolle.
Max Frisch in: Mein Name sei Gantenbein

Erinnerungsgarten - Naturraum der Stille
Lageplan: Erinnerungsgarten - Naturraum der Stille
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