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Ehrenamtliche erzählen

Tobias Schulte

Die FFP2-Maske ist trotzdem schrecklich

Tobias Schulte
Tobias Schulte

Der Herbst kommt mit großen Schritten. Es ist regnerisch und nasskalt. Im Gegensatz zu den vorherigen Terminen bin ich heute nicht am Morgen, sondern am späten Nachmittag da.

Es ist anders. Pflegekräfte wuseln herum und auch die Bewohner sind viel mehr auf den Fluren unterwegs. Wenigstens kann ich jetzt klären, ob ich den Hund mitbringen darf. Darf ich leider nicht. Schade, die Damen hätten sich sehr gefreut über den Hund.

Mit meiner neuen FFP2-Maske (seit dieser Woche Pflicht im Pflegeheim) mache ich mich auf den Weg zum Zimmer von Frau K. und ihrer Mitbewohnerin. Die beiden sind wach und freuen sich sehr, mich zu sehen.

Bisher hatte ich im Pflegeheim nicht mit unangenehmen Gerüchen zu tun. Heute ist das anders. Es ist halt später am Tag und der Windelwechsel ist wohl schon ein paar Stunden her. Deshalb riecht es etwas streng im Zimmer. Da hat das Masketragen ja mal einen positiven Effekt.

Die FFP2-Maske ist trotzdem schrecklich. Ich bekomme kaum Luft und Frau K. versteht mich auch nicht so gut. Kurzentschlossen nehme ich die Maske ab und setze mir meine gewohnte Maske auf. Jetzt kann ich deutlich besser atmen und kommunizieren.

Frau K. kennt mich ja schon und erzählt gleich munter drauflos. Wir landen thematisch wieder bei ihrer Kindheit, der Flucht und ihrem späteren Leben in Aurich.
Sie hätten direkt hinter dem Sportplatz in Holzbaracken gewohnt. Diese seien extra für die Flüchtlinge aus den Ostgebieten gebaut worden. Aber die schäbige Baracke habe ihre reinliche Stiefmutter immer sehr sauber gehalten. Sie hätten auch etwas Gemüse vor dem Haus angebaut. Es sei die ärmste Gegend in Aurich gewesen. Das Schönste sei gewesen, dass ihre Oma und ihr Opa (die Eltern ihrer Stiefmutter) auch dort gewohnt hätten. Vor allem ihr Opa sei sehr nett gewesen. Ihre Augen strahlen bei den Erinnerungen an ihre Großeltern. Ihre Stiefmutter sei erst nach dem Tod der Großeltern so richtig böse geworden und hätte sie oft geschlagen und getreten. Die Jungs nicht. Das waren ja ihre leiblichen Kinder und Ulla auch nicht, weil die schon älter und größer war und sich wehren konnte.
„Wage es nicht, die Mädchen zu schlagen!", habe ihr Vater der Stiefmutter gedroht. Aber sie hätten sich nie getraut, ihm von den Schlägen zu erzählen.
„Es gab wenig zu essen. Wir wurden losgeschickt, Steckrüben vom Feld eines Bauern zu klauen,“ erzählt sie mir. „Ulla wurde erwischt. Der Bauer hat sie schwer bestraft. Die arme Ulla. Aber wir konnten doch als Kinder nichts dafür. Unsere Eltern haben uns doch geschickt ... " sagt sie mit Tränen in den Augen.

Sie ist tief ergriffen, und ich lege ihr tröstend meine Hand auf den Arm. Frau K. hat heute nah am Wasser gebaut und hat immer wieder traurige Momente.

Die FFP2-Maske ist trotzdem schrecklich
Die FFP2-Maske ist trotzdem schrecklich

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