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Ehrenamtliche erzählen

Helga Lehmann

Helga Lehmann
Helga Lehmann

Der Pflegedienst eines schwerstkranken Herrn hatte unseren Hospizdienst gebeten, ob wir uns um ihn kümmern könnten. Herr Sp. lebte ganz alleine mit einer Katze in einer Schlichtwohnung. Er wurde seit Jahren nur vom Pflegedienst versorgt und eine Stunde in der Woche kam eine Haushaltshilfe.

Ein Lungenkrebs und ein Kehlkopfkrebs waren so weit fortgeschritten, dass keine Krankenhausbehandlung mehr stattfand. Der Hausarzt kam auch nicht mehr. Nur der Pflegedienst war in Kontakt mit dem Hausarzt und besorgte die Medikamente, die Schmerzbehandlung und die Pflege!

Es gab keine Angehörigen oder Freunde. Herr Sp. war seit langer Zeit bettlägerig und hatte sehr viele Wundstellen an Beinen und Rücken. Er konnte kaum sprechen und nur Flüssiges schlucken. [...]

Vier Mal täglich kam der Pflegedienst, nachts nur die Katze. Herr Sp. war dazu noch blind. Als ich in die Wohnung kam, habe ich zuerst einen Schreck bekommen: Ist das möglich, dass in einer so verdreckten und ungepflegten Wohnung ein Sterbender lebt, leben muss? Herr Sp. war sehr ruhig. Die vielen Medikamente gegen die Schmerzen wirkten wohl. Bei der Pflege hatte er Schmerzen. Dann schlief er viel. Ich versuchte immer wieder, ins Gespräch zu kommen. Doch nur vereinzelte Worte und Sätze hörte ich manchmal.

Da der Pflegedienst und ich einen Schlüssel hatten, konnte ich zu jeder Zeit den Patienten besuchen. Er konnte noch hören und so meldete ich mich immer an der Wohnungstür. Dann fragte ich, ob es ihm recht sei, dass ich komme. Ja, das wollte er. Mehrfach frage er nach seiner Katze, die jederzeit raus und rein konnte und vom Pflegedienst mit versorgt wurde.

Mir war es sehr schwer zuzusehen, wie er so mutterseelenallein war. Auf meinen Vorschlag, ins Hospiz zu gehen, wollte er wissen, ob die Katze mit könne. Da ich dazu keine klare Auskunft geben konnte, meinte er, hier bei ihm in der Wohnung wäre es für ihn gut.

Auf Angebote wie: Singen, Vorlesen oder Gebete wollte er nicht eingehen. So saß ich oft ein bis zwei Stunden bei ihm und sprach und betete in meinem Herzen mit ihm.

Als es deutlich wurde, dass es bis zu seinem Tod nur noch wenige Tage dauern würde, wurden wir (der Hospizdienst) gefragt, ob wir Nachtwachen übernehmen könnten. Das habe ich dann auch zuerst mit einer Kollegin gemacht, dann alleine. Nach vier Tagen musste ich verreisen. Ich sagte es Herrn Sp. und er entließ mich: „Ja, das können Sie machen, es ist gut so.“

Zwei Tage später ist er gestorben.

Leider konnte ich ihn nicht mit beerdigen, weil es niemanden gab, der sich um eine Beerdigung kümmerte. Wir vermuten, dass er anonym eingeäschert wurde.

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